Impf-Prävention in der Apotheke?

Vorsorge gehört in Ärztehand!

(19.10.2020) In Nordrhein-Westfalen startet das Modellprojekt "Grippeimpfung in der Apotheke". Apotheken können zu einem Preis von 12,61 Euro Impfungen anbieten. "Für die gleiche Leistung erhält ein Arzt höchstens 9,43 Euro", stellt Dr. Ulrich Tappe fest. Warum Apotheker mehr Geld erhalten und warum sie überhaupt Schutzimpfungen anbieten sollen, erschließt sich dem niedergelassenen Magen-Darm-Arzt nicht.

Magen-Darm-Ärzte kümmern sich schon seit Jahren gemeinsam mit den hausärztlichen Kollegen insbesondere um Impfungen für chronisch kranke und immunsuppremierte Menschen. Gerade Patienten mit Darm- oder Lebererkrankungen benötigen diesen Schutz. "Dabei darf man aber nicht wild darauf los impfen", erklärt Dr. Tappe, "sondern muss berücksichtigen, was in der speziellen Situation eines Patienten möglich und sinnvoll ist. Auch wenn chronisch Erkrankte einige zusätzliche Impfungen erhalten sollen, ist unter einer Immunsuppression keineswegs jede Impfung möglich. Diese Unterscheidungen kann der Apotheker sicher nicht treffen."

Es ist eine ureigene Angelegenheit von qualifizierten Ärzten, Impfberatungen durchzuführen. Eine Verlagerung in Apotheken ist entschieden abzulehnen. "Prävention", so Dr. Tappe, "ist die Aufgabe von niedergelassenen Ärzten. Impfungen von Personen mit Erkrankungen des Verdauungssystems gehören in die Obhut von Magen-Darm-Ärzten."

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt als optimalen Zeitpunkt für die saisonale Grippeimpfung die Monate Oktober und November. Es dauert etwa zwei Wochen bis eine ausreichende Immunität erreicht ist. Der empfohlene Zeitraum für die Impfung soll einen maximalen Schutz während der erwarteten Grippewelle ab Januar 2021 erreichen.