Man sollte meinen, dass Vereinheitlichung, Vereinfachung und Digitalisierung in der heutigen Zeit Selbstverständlichkeiten sind. Nicht so im Gesundheitswesen. Bürokratische Handarbeit blockiert die Versorgungsstrukturen. Ärzte und ihr Personal müssen Berge von Verwaltungs- und Dokumentationsanforderungen bewältigen. Das bindet Unmengen an Zeit, die für die Betreuung von Patienten verloren geht.
Krankenkassen fordern Daten an, die längst in ihren Datenbanken gespeichert sind. Es bestehen Mehrfachpflichten zur Dokumentation derselben Tatbestände gegenüber verschiedenen Prüfstellen, Registern und Behörden. Vorschriften für Hygieneanforderungen, Sonderzulassungen oder Qualitätsprüfungen sind mit kleinteiligen Detailabfragen überfrachtet. Für Langzeittherapien und chronische Erkrankungen fallen Wiederholungsanträge an, auch wenn sich der medizinische Versorgungsbedarf nicht verändert hat. Grundpflichten wie Datenschutz, IT-Sicherheit, Arbeitsschutz oder die Sicherheit von Medizinprodukten werden alle einzeln geprüft, statt sie unkompliziert in einem Verfahren zu bündeln.
„Diese Liste der bürokratischen Hürden für Arztpraxen ist keineswegs vollständig“, betont der Verbandsvorsitzende der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, Dr. Ulrich Tappe. „Sie ließe sich mühelos ergänzen. Abhilfe wäre technisch überhaupt kein Problem, es fehlt allein der politische Wille, diesen Wust zu entschlacken. Wir benötigen einfach umsetzbare Maßnahmen wie verpflichtende bundesweite Musterformulare für Anfragen und Meldepflichten, die digital bearbeitet und in einem Zug an alle beteiligten Institutionen übertragen werden. Wir brauchen Ausschlusskriterien für unberechtigte Anfragen bezüglich routinemäßiger Standardprozeduren. Genehmigungs- und Zulassungsverfahren müssen verschlankt und von redundanten Nachweispflichten entbunden werden. Nicht zuletzt geht es um die Streichung oder Entschärfung der weit verbreiteten Überinterpretation von Auflagen, die ohne Gewinn erheblichen Dokumentationsaufwand auslösen.“