Ambulant vor stationär

Kassenplus gibt Atempause

(9.3.2026) Allen Unkenrufen zum Trotz verzeichnen die gesetzlichen Krankenkassen mit 3,5 Milliarden Euro ein deutliches Plus. Die größten Ausgabenzuwächse fließen nach wie vor in den Kliniksektor, der mit 111 Mrd. Euro 2025 einen mehr als doppelt so hohen Mehrbedarf wie die ambulante Versorgung zu verantworten hat.

„Die neuen Zahlen bestätigen den seit Jahren bestehenden Trend “, meint Dr. Ulrich Tappe vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). „Viele Diagnosen und Therapien können ambulant zu sehr viel günstigeren Kosten erfolgen. Es ist zu begrüßen, dass mit der Einführung sektorübergreifender Vergütungsformen endlich Anreize für eine breitere Versorgung der Bevölkerung in den Arztpraxen geschaffen wird.“

Ob dies tatsächlich gelingt, hängt sehr davon ab, dass die neu festzulegenden Leistungslegenden bedarfsgerecht und zukunftsweisend ausgestaltet werden. „Es hilft nichts, wenn Leistungen ambulant durchgeführt werden können, aber im System nicht abgerechnet werden können“, betont Dr. Tappe. „Ohne Finanzierung kann man entsprechende Behandlungen nicht anbieten.“

Sicherstellung und Bezahlbarkeit der Gesundheitsversorgung haben oberste Priorität bei Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Die jährlichen Behandlungszahlen und die Ausgabenquote belegen, dass sie zu Recht auf ambulante Strukturen setzt. „Das wird aber nur funktionieren“, so Dr. Tappe, „wenn die Versorgungsstrukturen bedarfsgerecht ausgestaltet und ausgestattet werden.“