Telematik-Falle

400 Mio. Euro für die Katz?

(8.8.2022) "Bei der Frage, ob im gesamten ambulanten Versorgungsbereich unzulängliche Konnektoren für die Übertragung von vertraulichen Daten verschrottet und ersetzt werden müssen, geht es nicht um einen Pappenstiel", erklärt Dr. Ulrich Tappe vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Es geht um rund 400 Mio. Euro, die angesichts der angespannten Kassenlage der Krankenkassen dringend für die Patientenversorgung benötigt werden."

Unstrittig ist, dass die Sicherheit der Datenübertragung über die bereitgestellte Infrastruktur derzeit nicht gewährleistet ist. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, welche Maßnahmen zur Behebung der Probleme angemessen sind. Während die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik), die unter Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums für die Einführung von digitaler Infrastruktur im Gesundheitswesen zuständig ist, einen Austausch der erforderlichen Konnektoren für alternativlos hält, mehren sich Stimmen, die ganz im Gegenteil davon ausgehen, dass die bestehenden Sicherheitslücken durch ein Update geschlossen werden können.

Inzwischen scheint Bewegung in die festgefahrene Situation zu kommen. Interventionen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung lassen hoffen, dass das Ministerium aktiv wird und von der gematik eine Neueinschätzung der technischen Möglichkeiten einfordert. "Das wäre jedenfalls in unseren Augen der richtige Schritt", betont Dr. Tappe. "Wir Ärzte und unsere Patienten sind die Leidtragenden einer Institution, die immer wieder daran scheitert, digitale Infrastruktur reibungslos und funktionstüchtig zur Verfügung zu stellen. Unsere Praxisabläufe werden dadurch ständig beeinträchtigt und mit nicht gedeckten Kosten belastet. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Es kostet Zeit und Geld, die an anderer Stelle fehlen."

Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte unterstützen im Schulterschluss mit dem Dachverband der Facharztverbände mit Nachdruck die Interventionen der Kassenärztlichen Selbstverwaltungsorgane, die eine Neueinschätzung der Konnektoren-Problematik einfordern. "Es wird Zeit, dass dem Spuk ein Ende bereit wird, damit sich alle wieder auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren können: das Wohl unserer Patienten!", sagt Dr. Tappe.