Schleichende Abwertung

Sicherheitsstandards werden nicht honoriert

(14.10.2019) "Das Gesundheitswesen ist träge", stellt Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte nüchtern fest. "Die Medizin entwickelt sich weiter, bietet neue Diagnose- und Therapie-Angebote, erhöht Qualitäts- und Sicherheitsstandards, aber die zögerliche Gegenfinanzierung all der Verbesserungen zugunsten der Patienten bremst den Fortschritt aus."

Die Unterfinanzierung der Personalkosten bei Magenspiegelungen ist ein typisches Beispiel. Im Rahmen der Untersuchung werden die Patienten üblicherweise mit einem Betäubungsmittel vorübergehend in Schlaf versetzt. Der Sinn ist eine wenig belastende und sichere Form bei der ambulanten Durchführung des Verfahrens sicher zu stellen. Für die Sedierung mit anschließender Überwachung in der Praxis gibt es klare Vorschriften, die vor mehr als zehn Jahren von Experten in einer medizinischen Leitlinie festgelegt worden sind.

"Die Magen-Darm-Ärzte haben diese Vorgaben schon lange in ihren Praxen umgesetzt", betont Dr. Beyer. "Dafür muss das nicht-ärztliche Personal fachlich qualifiziert und regelmäßig weitergebildet werden. Während der Untersuchung und in der Aufwachphase wird eine zweite Assistenz zusätzlich benötigt, die sich ausschließlich um den sedierten Patienten kümmert."

Der erforderliche personelle Mehraufwand, der mit der Einführung der leitliniengerechten Behandlung entstanden ist, wird bis heute nicht bei der Honorierung der endoskopischen Leistung berücksichtigt. "Damit wird eine sowieso schon unterbewertete ärztliche Leistung abgewertet, obwohl die Qualitätsanforderungen und die Kosten für die Erbringung gestiegen sind", so Dr. Beyer.