Regionale Versorgungsdefizite

Das ungleich verteilte Angebot der Kassen-Zusatzleistungen

(16.5.22) "Wir haben in Deutschland ein hervorragendes Mittel, um spezifische Defizite bei der Versorgung von chronisch kranken Menschen über Sondervereinbarungen zwischen niedergelassenen Fachärzten und gesetzlichen Krankenkassen auszugleichen", sagt Dr. Petra Jessen. "Leider gelingt es bisher allerdings meist nur, bestimmte Krankenkassen in begrenzten Regionen für derartige Vereinbarungen zu gewinnen."

Defizite gibt es nach Angaben der Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte zum Beispiel bei Patienten mit chronischen Darm- oder Lebererkrankungen. Deren Leiden kann nur symptomatisch behandelt werden. Sie bedürfen insbesondere in Zeiten von Krankheitsschüben einer intensiven fachärztlichen Betreuung, um Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, Arbeitsausfallzeiten zu reduzieren und die Teilhabe am Alltagsleben zu ermöglichen.

"In unserem budgetierten Gesundheitssystem steht dafür oft nicht genug Zeit zur Verfügung", erläutert Dr. Jessen. "Das Problem ist bekannt und der Gesetzgeber hat mit der Möglichkeit der Vereinbarung besonderer Versorgungsverträge zwischen Ärzteverbänden und Krankenkassen im SGB V Mittel zur Verfügung gestellt, um hier gegenzusteuern."

Dass dies funktionieren kann, zeigen beispielgebende Vereinbarungen für CED-Patienten auf Landesebene mit der Technikerkrankenkasse sowie auf regionaler Ebene mit der Barmer in Westfalen-Lippe und der AOK und BKKen in Baden-Württemberg. "Patient:innen anderer Krankenkassen und in anderen Regionen können von diesen besonderen Angeboten bisher nicht profitieren", erläutert die niedergelassenen Magen-Darm-Ärztin.