Apotheker haben ihre Grenzen

Nicht jedes Arzneimittel kann bedenkenlos ersetzt werden

(3.12.2018) Apotheker dürfen vom Arzt verordnete Originalarzneimittel durch Generika ersetzen. Das ist in Ordnung, solange dabei nur pharmazeutische Aspekte zu berücksichtigen sind. Anders sieht es bei biotechnologisch hergestellten Medikamenten aus. Die Entscheidung, ob diese durch Nachahmerprodukte ersetzt werden können, hat physiologische Relevanz und sollte deshalb auch weiterhin immer vom Arzt beurteilt werden.

Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) sind darauf angewiesen, dass sie sich auf ihre Medikamente verlassen können. Nur so können sie das wiederkehrende Beschwerdebild ihrer Erkrankung kontrollieren und ein normales Leben führen. "Moderne Medikamente wie die auf biotechnologischem Wege hergestellten Biologika sind ein Segen für diese Patienten", weiß Dr. Ulrich Tappe vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Ihre Wirkungen und Nebenwirkungen hängen allerdings empfindlich vom Herstellungsprozess ab. Abweichende Herstellungsbedingungen verändern das Wirkspektrum. Deshalb muss immer ein Arzt beurteilen, ob ein auf anderem Wege produziertes ähnliches Medikament - ein so genanntes Biosimilar - verträglich für den Patienten ist."

In vielen Regionen Deutschlands gibt es spezielle Verträge mit den Krankenkassen. Darin verpflichten sich Magen-Darm-Ärzte zu einer wirtschaftlichen Verordnung, bei der immer dann Biosimilars eingesetzt werden, wenn dies aus ärztlicher Sicht vertretbar ist. "Es gibt also längst Regulationsmechanismen, über die die Krankenkassen die Wirtschaftlichkeit der Versorgung steuern können", so Dr. Tappe. "Zudem verpflichten sich Ärzte, die an diesen Verträgen teilnehmen, eine ganze Reihe von Qualitätsanforderungen zu erfüllen. Aus unserer Sicht wird hier Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit in einer beispielhaften Weise verbunden. Wir sehen absolut keinen Bedarf für zusätzliche gesetzgeberische Maßnahmen."