Niemand kann alles

Primärversorgung muss bedarfsgerecht organisiert werden

(07.09.2026) Tatsache ist, dass immer wieder Patienten beim Facharzt auflaufen, die dort gar nicht hin gehören. Deshalb benötigen wir eine Primärversorgung, die Patienten im Zweifel den für sie angemessenen Weg weist. Tatsache ist aber auch, dass heute zwei von drei Patienten vom Facharzt behandelt werden. Für viele dieser Patienten bedeutet eine restriktiv vorgeschriebene Bindung an ein Primärversorgungssystem einen unnötigen Umweg.

"Viele Patienten, die heute zum Beispiel mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung oder einer fortgeschrittenen Hepatitis direkt in meine Praxis kommen, werden in der Regel ausschließlich von mir behandelt", erklärt Dr. Ulrich Tappe, der Vorsitzende des Berufsverbandes der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). "Der Hausarzt ist vielfach überhaupt nicht beteiligt und muss es auch gar nicht sein."

Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte stellen sich ausdrücklich hinter die Forderungen des fachärztlichen Dachverbandes SpiFa, Patientensteuerung nicht an starre Versorgungspfade zu binden, sondern an medizinischem Bedarf und Dringlichkeit zu orientieren. Chronisch erkrankte Patienten, die ständiger fachärztlicher Betreuung bedürfen sowie bei Patienten mit episodenhaften, länger als drei Monate dauernden Erkrankungen, bei denen fachärztliche Betreuung erforderlich ist, sollen auch weiterhin einen verlässlichen und zeitgerechten Zugang zur jeweils erforderlichen fachärztlichen Kompetenz behalten.

"Die aktuelle Debatte um eine verstärkte Primärarztsteuerung erweckt den Eindruck, dass Hausärzte künftig als alleinige Lotsen durch das Gesundheitssystem fungieren könnten. Doch dieses Konzept greift zu kurz", betont Dr. Tappe. "Bei schweren und chronischen Erkrankungen sowie bei anspruchsvollen Vorsorgeleistungen gehört die Koordination von Therapie und Behandlungsoptionen in die Hand des Facharztes."