Prävention: Ja, aber ...

Wir brauchen keine Politik des Zögerns und Zauderns

(20.7.2026) Der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng) begrüßt die Initiative der Bundesgesundheitsministerin zur Stärkung der Prävention, zeigt sich aber irritiert, weil die Vorschläge sehr allgemein bleiben und erfolgreiche bestehende Programme nicht nur beschränkt, sondern nicht einmal erwähnt werden.

Die Ministerin will "gesundes Aufwachsen, gesundes Arbeiten, gesundes Leben" - auf das kostengünstige Rezept der Kompetenzverbesserung verordnen. Es ist eine Binsenwahrheit, dass Einstellung und Lebensführung großen Einfluss die Gesundheit haben. Jeder kennt die sehr berechtigten Empfehlungen für ausgewogene Ernährung, Bewegung, Gewichtskontrolle und den Verzicht auf Nikotin und Alkohol. Der Befürchtung liegt nahe, dass sich Berlin auf Reden beschränkt, um konkretes Handeln zu vermeiden.

"Lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, viralen Infektionen oder Krebs kann man weder mit gut gemeinten Worten noch alleine mit Appellen zur Lebensstiländerungen entgegentreten", warnt der Verbandsvorsitzende Dr. Ulrich Tappe. "Die Menschen führen sie nicht herbei, sondern erleiden sie. Sie kommen wie der Dieb in der Nacht und da hilft kein erhobener Zeigefinger, man braucht eine Alarmanlage, die einem sagt, dass der Dieb im Hause ist!"

Krebserkrankungen und schwerwiegende Stoffwechselstörungen kommen meist schleichend und von den Betroffenen unbemerkt. Aber der Arzt kann sie im Rahmen von Vorsorge und Früherkennung durch geeignete Maßnahmen verhindern oder rechtzeitig aufspüren, damit sie geheilt werden können.

"Wir Ärzte können nicht verstehen, warum die Ministerin mahnende Worte predigt und im gleichen Zuge durch die Gesetzgebung erfolgreiche Präventionsprogramme wie die Darmkrebsvorsorge gefährdet, die in den letzten 20 Jahren Hundertausenden das Leben gerettet hat? Ohne vorausschauende Diagnostik wird das alles zunichte gemacht."