Therapeutische Weichenstellungen für die Zukunft

Die Leber leidet - bundesweit

(18.11.2019) Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan. Sie ist extrem stark gefordert und zugleich sehr genügsam. Wenn es ihr schlecht geht, lässt sie es uns kaum merken - bis es fast zu spät ist. Aktuellen Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen von einer chronischen Lebererkrankung betroffen. Viele wissen nichts davon.

"Unbehandelte Leberkrankheiten schreiten weiter fort, schädigen das Organ immer stärker und führen schließlich zu lebensbedrohlichen Beeinträchtigungen", erklärt Prof. Dr. Wolf Peter Hofmann vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Deshalb ist es wichtig, erstens die Leberwerte regelmäßig vom Hausarzt kontrollieren zu lassen, zweitens optimierte Diagnose- und Therapieverfahren für niedergelassene Magen-Darm-Ärzte vorzuhalten und drittens, im Rahmen von Versorgungsforschung Akzeptanz, Wirksamkeit und Verträglichkeit der eingesetzten Therapien zu überprüfen."

Vor dem Hintergrund der wachsenden Relevanz von Lebererkrankungen in der Bevölkerung haben sich die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte diese drei Punkte auf die Fahnen geschrieben. Sie fordern seit langem, dass der Check-Up für die Leber als regelmäßige Vorsorgemaßnahme im Leistungskatalog der Krankenkassen verankert wird. Ihr Berufsverband hat Behandlungsempfehlungen z. B. für virale (Hepatitis C) und autoimmunologische (PBC, PSC, Autoimmunhepatitis) Leberentzündungen erarbeitet, die Qualitätsstandards in der ambulanten Therapie definieren. Und er organisiert Versorgungsforschung. Das bedeutet, dass anonymisierte Patientendaten in Registern wie dem Deutschen Hepatitis C-Register oder dem neu initiierten Fettleber-Register erfasst und zum Zweck der Therapieoptimierung analysiert werden.

"Dank der zielstrebigen schnellen Einführung moderner Medikamente in die ambulante Therapie, die durch die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte maßgeblich vorangetrieben wurde, kann die Hepatits C heute in fast allen Fällen geheilt werden", betont Prof. Hofmann. "So wie wir uns dieser Herausforderung gestellt haben, werden wir auch der akut absehbaren Gefährdung durch die grassierende Fettleber-Epidemie entgegentreten. Wir müssen uns heute auf die Behandlung der Krankheiten von morgen vorbereiten, durch Aufklärung und Vorsorge sowie die Entwicklung und Bereitstellung von geeigneten Diagnose- und Therapieverfahren."