Mehr Leistung für lau

Politische Versprechen auf Kosten der Ärzte

(22.05.2018) "Immer mehr, immer besser, immer schneller und das möglichst ortsnah vom Spezialisten - die Politik ist mit freigiebigen Forderungen an die Ärzteschaft rasch bei der Hand", stellt Dr. Albert Beyer ernüchtert fest. Der berufspolitische Vertreter der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte und seine freiberuflichen Kollegen erfüllen für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung schon längst ein Pensum jenseits aller Vorstellungen von Regelarbeitszeit.

Die Ärzteschaft hat einen gesetzlich verordneten Sicherstellungsauftrag, der einmal als Vertrag auf Gegenseitigkeit ausgelegt war. Medizinische Leistungen sollen demnach wirtschaftlich und nur in medizinisch angemessenem Umfang erbracht werden. Deshalb wurde vor mehr als zwanzig Jahren die Budgetierung und damit eine Begrenzung ärztlicher Leistungen eingeführt. Für eine bestimmte Leistungsmenge steht seither jährlich eine bestimmte Geldmenge zur Verfügung.

"Mit dem Koalitionsvertrag wird diese Vereinbarung jetzt wieder mal in Frage gestellt", kommentiert Dr. Beyer. "Dort wird den Patienten mehr und bessere Leistung ohne Anhebung des zur Verfügung stehenden Budgets versprochen. Zugleich kommen aus der Opposition Forderungen, die nahelegen, dass Ärzte nicht genug arbeiten."

Die Realität sieht völlig anders aus. "Ein niedergelassener Magen-Darm-Arzt", so Dr. Beyer, "arbeitet im Durchschnitt wöchentlich 52 Stunden. Verschiebungen im Leistungsangebot können nur ausgabenneutral erfolgen. D.h. eine wünschenswerte Aufwertung von Betreuungspauschalen für chronisch kranke Menschen im Bereich der Darm- oder Lebererkrankungen müsste z.B. mit einer Abwertung von Leistungen im technischen Bereich erkauft werden. Und das vor dem Hintergrund, dass etliche medizinisch längst anerkannte neue Verfahren sowieso nur sehr schwer Eingang in den Leistungskatalog finden."

Das Leistungsvermögen des ambulanten Systems basiert auf dem Engagement der freiberuflichen, selbstständig tätigen Ärzte. Sie investieren erheblich mehr Zeit in die Gesundheitsversorgung als ihre angestellten Kollegen. Es sind die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, die die ambulante und wohnortnahe Versorgung von chronisch kranken Darm- und Leberpatienten sicher stellen und mit dem Angebot einer qualifizierten Darmkrebsvorsorge erheblich zum Erfolg im Kampf gegen diese epidemische Tumorerkrankung beitragen.