Einmalprodukte in der Endoskopie

Magen-Darm-Ärzte bleiben auf den Kosten sitzen

(13.11.2017) Biopsiezangen zur Entnahme von Gewebeproben und Polypektomieschlingen zur Entfernung von Darmkrebsvorstufen aus dem Dickdarm sind unverzichtbare Zusatzinstrumente, die der Magen-Darm-Arzt bei einer Darmspiegelung einsetzt. Während Kliniken hierfür meist Sondervereinbarungen zur Sachkostenerstattung mit den Kostenträgern vereinbaren können, bleiben Praxisbetreiber oft auf den Kosten für Einmal-Endoskopiezubehör sitzen.

Grund ist ein Dilemma, das aus widersprüchlichen Hygienebestimmungen und deren Interpretation durch die regional zuständigen Behördenvertreter erwächst: Es werden für Klinik und Praxis wiederverwendbare Zusatzinstrumente für die Endoskopie auf dem Markt angeboten, für die die Hersteller aber keine anerkannten Wiederaufbereitungsverfahren liefern. Aufgrund einer neuen Interpretation der Hygienerichtlinie wird die Aufbereitung dieser Produkte trotz Zulassung am deutschen Markt in letzter Zeit durch die Aufsichtsbehörden bei Hygienekontrollen untersagt. Praxisbetreiber und Kliniken sind genötigt, auf Einmalprodukte zurückzugreifen. Für Einmalprodukte verweigern die Kostenträger jedoch isoliert im ambulanten Bereich die Kostenübernahme mit dem Hinweis, dass wiederaufbereitbare Instrumente nach wie vor auf dem Markt gebracht werden. Solange diese Situation besteht, könne es keine Vereinbarung zur Sachkostenübernahme geben.

"Das hört sich an wie ein Schildbürgerstreich", sagt Dr. Albert Beyer, der Vorsitzende des Berufsverbandes der Magen-Darm-Ärzte. "Einer sinnvollen ambulanten Versorgung werden einmal mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen." Tatsache ist, dass Hersteller-Anweisungen zur Aufbereitung wiederverwendbarer endoskopischer Zusatzinstrumente der so genannten Gruppe "Kritisch-B" nicht mehr als rechtskonform erachtet werden. Daher ist aus Sicht der Magen-Darm-Ärzte auch ihr Vertrieb nicht mehr statthaft. Der Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen (bng) fordert deshalb die Hersteller nun auf, diese Produkte binnen einer Frist von vier Wochen aus dem Handel zu nehmen.

Dieser Schritt ist ein wesentlicher Beitrag zu noch höherer Patientensicherheit in Praxis und Klinik. Darüber hinaus gehen die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte davon aus, dass dann die Kostenerstattung des endoskopischen Einmal-Zusatzinstrumentariums sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich mit den Kostenträgern rasch geklärt werden kann. "Die Hersteller sind dazu angehalten, durch freiwillige Rücknahme der genannten wiederaufbereitbaren Produkte vom deutschen Markt für Klarheit und Chancengleichheit zu sorgen", betont Dr. Beyer. "Ein umständliches und zeitraubendes Verfahren über die Herstellerüberwachung bliebe damit allen Beteiligten erspart."